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Blaues Licht |
| Gerhard Seidl | Erstellt am: 2008-09-13 10:34  
Hallo zusammen, ich bin neu hier und würde mich sehr über Anmerkungen zu Blaues Licht freuen.
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| Uwe Pfeiffer | Erstellt am: 2008-09-14 09:31  
Hallo Gerhard,
was mir auf- und dazu eingefallen ist:
abstrakt vs anschaulich:
um so mehr abstrakte textaspekte, um so stärker wird das entstehen eines haiku-moments gestört (evtl. verhindert)
„Blaues Licht“:
licht kann blau sein: blaulicht eines rettungswagens, künstliches licht auf einer bühne, nordlichter, ein blitz kann evtl. den eindruck von blauem licht auslösen, aber dieses sinkt nicht - moor & blaues licht … bringe ich in keinen natürlichen zusammenhang (was an meiner unkenntnis liegen kann).
„Blaues Licht / sinkt still“:
still/laut ist keine eigenschaft von licht = die zuordnung führt ins abstrakte
„Mückensäulen“:
metaphern sind in freieren haiku-auslegungen möglich, sie müssen sich aber sehr anschaulich erschließen können, damit das haikumoment nicht allzu sehr gestört wird … je gewagter eine metapher sich zeigt (ungewöhnlicher), je schwieriger wird sie anwendbar …
bindung:
bindungsaspekte sollten im haiku möglichst vermieden werden:
„L[i]cht
[s][i]nkt [s]t[i]ll“
„Um die Mück[en]säul[en] Schwalb[en]“
_ v _ v _ v _ v
zeilenlänge:
die letzte zeile hat 8 silben ... fast schon (auch in einer sehr freien auslegung der form) zu lang (mehr als 7 sollten es eigentlich nicht werden) ... allerdings: wenn ein haiku-text (mit überzeilenlängen) funktioniert, rechtfertigt er sich dadurch selbst (i.d.r. ist dies aber nicht der fall)
grüße - uwe
[ Diese Nachricht wurde geändert von: Uwe Pfeiffer am 2008-09-14 09:42 ]
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| Gerhard Seidl | Erstellt am: 2008-09-14 18:11  
Lieber Uwe,
vielen Dank für Deine Anmerkungen und Hinweise. Die Hinweise sind doch sehr hilfreich, weil man durch sie die eigene Perspektive, den eigenen Ansatz hinterfragen muss und sie vielleicht auch produktiv nutzen kann.
Das blaue Licht soll eine späte Abendstimmung evozieren, wenn die Sonne schon eine Zeit lang untergegangen ist und die Nacht heraufzieht, die dann mit diesem Himmel über das Moor kommt. So kam auch der Moment der Stille ins Spiel und die Verknüpfung war geboren.
Zur Metapher der Mückensäulen: Kennst Du die Mückenschwärme, die sich kleinen Windhosen gleich über Feuchtgebieten bewegen. Das hat mich doch sehr daran erinnert. Und die Schwalben schwirren darum herum, auf der Jagd nach Nahrung ...
Vielleicht ist die Metapher aber auch zu weit hergeholt?
Zu den Bindungen muss ich noch in mich gehen. Inwieweit stehen sie gegen diesen einen Moment? Sind sie zu sperrig?
Und auch die Zeile mit den acht Silben werde ich noch mal überdenken, obwohl der Gesamtspielraum noch Luft bereithält. Sollte man da die Aufteilung insgesamt variieren?
Herzlich und mit Dank für weitere Tipps
Gerhard
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| Uwe Pfeiffer | Erstellt am: 2008-09-15 10:28  
Hallo Gerhard,
deine metapher hatte ich verstanden darum ging es mir eigentlich nicht, es ging um den grad des abstrakten, der durch abstrakte textaspekte in den text einfließt, das anschauliche stört & mit ihm die entstehung des haiku-moments behindert oder gar verhindert
ein haiku besteht i.d.r. aus zwei bildern … im kontrast/gegenüber bildet sich zwischen diesen das haiku-moment … damit dieses entsehen kann … müssen sich die bilder möglichst anschaulich gestalten (möglichst direkt wahrgenommen werden können), dürfen selbst keine aufmerksamkeit (für sich allein) fordern … geschieht dies … kann das haiku scheitern
in deinem text verfängt sich (die aufmerksamkeit) in den abstrakteren bildern (im zweiten sehr stark) … was das entstehen eines haiku-moments schwierig macht …
im haiku … muss man i.d.r. auf fast alles … was ein modernlyrischen text aufwertet, ihm tiefe gibt, ihn innovativ formt, usw., verzichten … es geht um die gestaltung eines zwischen den bildern hervorbrechenden augenblicks … die große kunst findet zwischen den bildern statt, die bilder selbst sind nur mittel zu diesem zweck … diese bilder kunstvoll zu schmieden … heißt … sie so zu schmieden … dass sie einen sehr starkes & evtl. sogar originelles haiku-moment … in ihrem kontrast/gegenüber erzeugen können
grüße - uwe
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| Gerhard Seidl | Erstellt am: 2008-09-15 19:44  
Hallo Uwe,
hab mir nun einige Deiner Anregungen zu Herzen genommen und (hoffentlich) produktiv umgesetzt. Vor allem die starken Abstrakta hab ich zurückgefahren und die Bindungen verringert, wenn vielleicht auch nicht ganz eliminiert. Auch das Problem mit den acht Silben scheint gelöst ...
Aber lies einfach mal:
Blaues Abendlicht
Über dem Moor Stille
Mückentanz Schwalbenjagd
Bin sehr gespannt auf Deine Reaktion, natürlich auch auf die Meinung anderer Haikuianer
Herzlich
Gerhard
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| Uwe Pfeiffer | Erstellt am: 2008-09-16 10:08  
Hallo Gerhard,
der text hat sich weiter vom haiku entfernt: 4 bilder funktionieren nicht (nicht versuchen ... zu-viel inhalt einzubringen, das wesentlich liegt im nicht-geschriebenen), das haikumoment kann sich nur zwischen zwei mehr oder weniger voneinander unabhängigen bildern bilden, z.b. auf deinen text bezogen:
bild a: Blaues Abendlicht (deine erste textzeile)
bild b: Über dem Moor Stille (deine zweite textzeile)
auf 3 zeilen verteilt:
Blaues Abendlicht
Über dem Moor
Stille
wäre z.b. von der philosophie und funktion korrekt, ein haiku-moment bildet sich / traditionalisten (die auf die einhaltung der 5-7-5-form bestehen) hätten natürlich probleme mit der anzahl der silben & ihrer verteilung / in der freieren auslegung ist es so möglich / ein sichtbares aktives verb wäre evtl. noch ganz nett (z.b. "über das moor breitet (oder senkt sich) stille", o.ä. oder ganz anders)
bindung:
3 zeilen (mit max. 17 silben) binden sich durch kürze und ihre folge selbst > bindungsaspekt sind nicht nötig, sondern stören die funktion
grüße - uwe
[ Diese Nachricht wurde geändert von: Uwe Pfeiffer am 2008-09-16 10:16 ]
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| Gerhard Seidl | Erstellt am: 2008-09-17 12:18  
Hallo Uwe,
zu viele Bilder in zu engem Rahmen, sodass kein Freiraum ensteht - kann Deine Kritik gut nachvollziehen. Gehe wieder in mich ...
Danke erst mal und bis demnächst
Grüße
Gerhard
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| Gerhard Seidl | Erstellt am: 2008-09-18 18:08  
Hallo Uwe,
hier eine weitere Fassung - hoffentlich entschackt und schlank genug, damit ein Haiku-Moment entsteht?
Im blauen Abendlicht
Schwalben über dem Moor
Stille
Bin gespannt auf Deine / Eure Reaktion.
Grüße
Gerhard
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| Uwe Pfeiffer | Erstellt am: 2008-09-19 09:39  
Hallo Gerhard,
lesevarianten:
variante 1:
bild 1: Im blauen Abendlicht
Schwalben
bild 2: über dem Moor
Stille
variante 2:
bild 1: Im blauen Abendlicht
bild 2: Schwalben über dem Moor
bild 3: Stille
variante 1 ist vermutlich gewünscht / variante 2 drängt sich dem leser auf (jede zeile stellt eine mögliche sinneinheit dar).
evtl. lösung: interpunktion / ein trennzeichen zwischen den bildern / mehrdeutigkeiten gehören (auf der textebene) nicht in das haiku
was mir in variante 1 auffällt:
a) aufbau:
[wo: „Im blauen Abendlicht“][zeilenumbruch = lesespause][was: „Schwalben“]
[wo: „über dem Moor“] [zeilenumbruch = lesespause] [was: „Stille“]
b) verb-verzicht
grüße - uwe
[ Diese Nachricht wurde geändert von: Uwe Pfeiffer am 2008-09-19 09:54 ]
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| Gerhard Seidl | Erstellt am: 2008-09-19 15:16  
Hallo Uwe,
Du hast recht, da hat sich etwas Zweideutiges eingeschlichen, und Dein Verbhinweis hat mich auch noch mal zum Nachdenken gebracht. Vielleicht so?
Schwalben
im blauen Abendlicht,
Stille senkt sich übers Moor
Grüße
Gerhard
[ Diese Nachricht wurde geändert von: Gerhard Seidl am 2008-09-19 15:18 ]
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| Uwe Pfeiffer | Erstellt am: 2008-09-20 08:24  
Hallo Gerhard,
ja, der text treibt jetzt in die richtige richtung / ein haiku-moment (zen-geprägt) entsteht
grüße - uwe
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| Gerhard Seidl | Erstellt am: 2008-10-16 11:15  
Hallo Uwe,
hab jetzt alles mal ein paar Tage so stehen lassen und denke, es kann auch so bleiben.
Dank Dir für Deine Unterstützung. Feile gerade an etwas Neuem. Demnächst mehr. Bin auch wieder gespannt auf Deine Reaktion.
Herzlich
Gerhard
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