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Haiku Forum > Texte besprechen > Schlüssellochaugen

Schlüssellochaugen
von Alwine

Sie schließt die Augen
aus Schlitzen sieht sie heraus
ich blinzel hinein



copyright by Alwine  Beitrag ändern/löschen
 
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Autor Schlüssellochaugen
gontran peerErstellt am: 2010-08-30 22:18   

Hallo Alwine,

dein Text ist gut, doch vielleicht solltest
du, falls du Haiku dichten möchtest, alle
Regeln und Eigenschaften des Haiku etwas
genauer beachten. Haiku ist nämlich nicht
nur 5-7-5. Gut gemeint

gontran


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AlwineErstellt am: 2010-08-31 00:43   

Hallo Gontran,

ich bin sehr interessiert an Deiner Meinung. Sag sie mir, Ich gehe da ziemlich unbedarft heran und weiß von den Regeln nicht mehr, als dass es um Bilder aus der Natur, ohne Vergleiche und Meinungen, ohne Gefühle gehen soll. Obwohl ich mich nicht immer dran halte, sehe ich doch auch den guten Sinn der darin liegt. All das, was in den Gedichten fehlt, ersetzt der Leser. Und das tut er mit seinen eigenen Gefühlen und Gedanken, wenn man sie dann anregen konnte durch die Vorgaben. Manchmal bin ich da im Zwiespalt und...Einerseits wäre ich interessiert an Deiner meinung zur Form, an Deinen Gegenvorschlägen, andererseits an Deinen Gedanken und Gefühlen, die Du vielleicht hattest beim Lesen. Solchen Austausch würde ich belebend finden.

liebe Grüße

Alwine


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gontran peerErstellt am: 2010-08-31 18:53   

Hallo Alwine,

nun, die drei Grundregeln des Haiku sind:
Natur- und Jahreszeitenbezug, Gegenwartsform
und eine einmalige Situation. Das 5-7-5 ist
zwar nicht bindend aber gerade für Anfänger
und Lehrlinge wie du und ich sehr ratsam,
damit man einen viel besseren Bezug zu dieser
Lyrikgattung bekommt.Das Haiku muss außerdem
konkret,anschaulich und nachvollziehbar sein.
Im Haiku wird nicht alles gesagt,aber es darf auch nicht ein unauflösbares Rätsel sein. Es existieren keine Reime, dafür aber sind Klang und Stabreime sehr, sehr gefragt.

Ach ja und die Zäsur ist wichtig. Das Haiku
besteht NORMALERWEISE aus 2 Phasen. Die erste in einer Zeile, ich benütze manchmal
auch zwei und die zweite in der dritten, die
allerdings aber NICHT DEN GANZEN HAIKUINHALT ERKLÄREN SOLL. Auch sollte im Haiku ein Gegensatz herauszulesen sein, dieser sollte
aber nicht zu offensichtlich erkennbar sein.
z.B: alt/neu, lang/kurz, dunkel/hell usw.

Wenn du Haiku schreibst, dann stell dich zur
Begebenheit hin, schaue zu was geschieht und
dann schreibe es auf ohne Wertung, also auch
ohne Gefühle. HAIKU IST NICHT GEFÜHLSLYRIK !
Wenn du Haiku schreibst, dann denke nicht an
den Leser sondern an dein Geschöpf,das Haiku.
Du schreibst nicht für den Leser, also sorge
nur dafür, dem Haiku das Leben zu geben. Das
Haiku steht im Mittelpunkt, der Dichter ist
der Ausführende des Betrachtung und der Leser
dann schließlich der Betrachtende.Denke z.B.
an die Entstehung eines neuen Tages: Die Dämmerung ist das Ereignis, die Sonne ist die
Ausführende und du oder ich der Betrachter.
Die Sonne geht nicht deinetwegen oder meinet-
wegen auf, sie tut es einfach.

Gut, nun zu deinem Text: Ich finde ihn gut
und man kann da wirklich ein Haiku daraus machen, wenn man im Haiku erfahren würde,wem
die Augen gehören und man den Naturbezug dem
Ganzen gibt: Zum Beispiel, wenn es die Katze
wäre:

Herbsttag. Die Katze,
sie macht ganz schmale Augen -
doch ich schau hinein.

Na ja, so ganz schnell. Da kann man sicher
auch noch lange daran feilen. Hoffentlich
kannst du was brauchen.

Liebe Grüße
gontran



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AlwineErstellt am: 2010-08-31 23:10   
Lieber Gontran,

ich danke Dir! Ich muss mir das jetzt alles mal durch den Kopf gehen lassen. Es gefällt mir, dass das Haiku im Mittelpunkt steht und nicht die Aussage oder das Anliegen. Das macht einen Unterschied zu anderen Gedichten. Die Regeln werd ich versuchen zu verinnerlichen.
Dein Alternativvorschlag gefällt mir sehr gut.
ich war natürlich ganz woanders. Ich hatte versucht ein Haiku zu schreiben aus einem inneren Erleben einer Situation heraus, die sich dann 5/7/5 reduzierte. Ich hatte schon versucht zu beschreiben, was ich gesehen hatte, aber die Bezüge hätten Silben gekostet...
Die Frage ist mir trotzdem: Wenn das, was ich erlebe, sehr komplex ist, wie kann ich das dann so verkürzt wiedergeben? Ohne das, was mir wichtig daran erscheint, weg zu lassen? Vorher war es eine Frau, jetzt ist es eine Katze. Kein Problem. Aber gibt eine Betrachtung der Dinge, in der dies kein Unterschied macht?
Ich weiß, dass Du nicht weißt um meine Bezüge und dachte, dass es spannend wäre, wie anders man die gleiche Empfindung in anderen Zusammenhängen haben kann. Aber das ist kein Haiku. Ich verstehe.
Also, ich brauche einen Moment des Nachdenkens um mich neu zurechtzufinden;
herzlichen Dank.
Ich hoffe auf weiteren Austausch mit Dir.

Alwine


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gontran peerErstellt am: 2010-09-01 00:26   

Hallo Alwine,

du kannst weiterhin über das schreiben, was
du gefühlsmäßig erlebst, das ist doch kein
Problem und zwar in Gedichten.

Das Haiku, glaube mir, ist ein bisschen was
Anderes. Aber bitte, hoffentlich begeistert
dich das Haiku umso mehr, z.B. genauso wie
mich,eben weil es ganz etwas Besonderes ist.

Im Haiku gibt es selbstverständlich auch
Menschen, das du und das ich, aber in einem
anderen Kontext. Die folgende Version ist
für meinen Geschmack, so ziemlich an der
Grenze, was Haiku ist.

Herbsttag. Eine Frau,
sie macht ganz schmale Augen -
doch ich schau hinein.

Ich verstehe schon, dass aber genau das du
erlebt hast und festhalten möchtest. Aber
erkennst du den Unterschied zur Version mit
der Katze. Nun soll das aber natürlich nicht
heißen, dass du über die Katze schreiben
musst,wenn du in Wirklichkeit einen Menschen
begegnet bist.

Wiege einfach selbst ab,wenn du einmal ein
Gedicht und ein andermal ein Haiku dichten
willst. Was halt für den Inhalt am Besten
ist. Du kannst jedesmal die Form wählen.
Mach dir da nicht zu viele Gedanken, sei
ganz locker und lass es entstehen so wie es
kommt, ganz natürlich und lass dich selbst
überraschen. Auch das gehört zum Dichten
dazu. Die manipulierten und gekünstelten
Dichtungen erkennt man sofort und sind auch
ohnehin die schlechtesten.

Liebe Grüße
gontran



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AlwineErstellt am: 2010-09-01 00:49   
Lieber Gontran,
Danke, danke, danke, ich fühle mich verstanden.
Ich werde neugierig schaun, und vielleicht auch erkennen. Es ist einfach wichtig, überhaupt eine Form des Ausdrucks zu haben.

herzlich

Alwine


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gontran peerErstellt am: 2010-09-01 19:15   

Ok, Alwine, dann mach so wie du es vor hast
und nicht vergessen: Nimm es leicht und
locker.
Ach und noch was, ich hatte es vergessen:
Übung macht den Meister, also übe, übe, übe!

ciao
gontran


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AlwineErstellt am: 2010-09-01 22:00   
Hallo Gontran,

Dein Hinweis, es locker zu nehmen, ist ein guter. Da mich das Forum ermuntert, so eine Art Erinnerungshelfer geworden ist, Bilder festzuhalten und ihnen Form zu geben, will ich es auch weiter versuchen, mich ein wenig anzunähern an den Geist des Haiku.

liebe Grüße Alwine


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gontran peerErstellt am: 2010-09-01 22:40   

Hallo Alwine,

na,dann wünsche ich dir viel Spaß und
natürlich viel Erfolg beim Haikudichten.
Ich stehe dir hier in diesem Forum immer
gerne zur Verfügung, du brauchst nur ein
paar Tasten zu drücken und schon bin ich da.

Haiku ist das Wunderbarste was einem/r
Dichter/in begegnen kann, aber genauso das
Geheimnissvollste. Wie auch immer, es lohnt
sich allemal.

Liebe Grüße
gontran


  Beitrag ändern/löschen   Antwort mit Zitat
AlwineErstellt am: 2010-09-02 14:43   
Hallo Gontran,

ich ringe um eine Haltung. In systemischen und analytischen Betrachtungen geht es darum, im Wunsch nach Erkenntnis, dessen eingedenk zu bleiben, dass man selbst ein Teil dessen ist, was man betrachten will. Sich von der Illusion zu befreien, man könne mit Abstand, ganz objektiv von außen dies tun, ist ein Weg hin zu einem objektiveren Blick, der das subjektive mit einschließt und dabei sich nicht einbildet, es würde 'die absolute Wahrheit' geben und ich könne sie auch noch erkennen.
Die Haltung, die man braucht, um Haikus zu dichten, scheint mir ähnlich und doch auch ganz anders. Geht es um eine Disziplinierung des Gefühls? Ich würd es gern verstehn.

liebe Grüße

Alwine


  Beitrag ändern/löschen   Antwort mit Zitat
gontran peerErstellt am: 2010-09-02 18:06   

Liebe Alwine,

das Haiku und Haikudichten möchte ich auch
genauso verstehen, es braucht viel Zeit,
für mich sage ich, mein ganzes Leben lang.

Haiku ist für mich deshalb etwas Besonderes,
weil es anscheinend von einem spirituellen
Prinzip ausgeht. Diesen Eindruck habe ich,
aber ich werde wohl falsch liegen: Und zwar,
man erkennt den Augenblick dann, wenn man
ihn von außen,als Außenstehender betrachtet;
ist meine persönliche Erfahrung mit Haiku.
Wenn es gelingt,das Leben als Außenstehender
zu leben, dann ist man dem Leben sehr nahe.

Was das Gefühl betrifft,so ist meine eigene
Erkenntnis und Erfahrung diesbezüglich, dass
Haiku weniger menschliche Gefühle in den
Mittelpunkt stellen wollen, darum geht es
m.E. ihnen überhaupt nicht. Ein Haiku muss
konkret und anschaulich sein und dafür steht
dem Dichter die ganze Welt und das Weltall
zu seiner Verfügung, um die ganze Existenz
aufzuzeigen, nicht nur jene des Menschen.
Das ist ein ganz wesentlicher Gesichtspunkt
des Haiku, meiner Meinung nach. Weiß jetzt
nicht, ob ich's so rübergbracht habe, dass
dir meine Haikuvorstellung klar wird. Noch
mal: HAIKU IST NICHT GEFÜHLSLYRIK !!!!!!!!
Also vergiss die Gefühle, also das Abstrakte
und werde konkret und anschaulich, wenn du
Haiku dichtest.

Herzliche Grüße
gontran


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AlwineErstellt am: 2010-09-03 01:40   
Lieber Gontran,

herzlichen Dank für Deine Antwort. Neben Deinen Tips, die aus einer erfahrenen Haltung kommen und für die ich sehr dankbar bin interessiert mich noch mehr zu Deiner Motivation, Haikudichterei so in den, ich möcte fast sagen Mittelpunkt Deines Seins zu stellen. Auf der einen Seite sehe ich Deine schier grenzenlose Begeisterung, andererseits eine recht zurückhaltende Begründung dafür.
Du musst überhaupt nicht darauf antworten und kannst meinen Eindruck verwerten wie Du willst, es ist nur ein Eindruck, ein ganz persönlicher, und natürlich, mein Interesse ist deshalb groß, weil ich auch nach einem Ausdruck suche und nach einer Haltung und wahrscheinlich bis ans Ende meiner Tage.
hab heute versucht, die Regeln einzuhalten und weiß nich, ob es gelungen ist, also interessiert an Deiner Kritik. Und sei nicht so vorsichtig, ich vertrag schon einiges.

Feldstein am Wegrand
zigtausend Jahre schon da
momentlang erblickt

herzlich Alwine


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gontran peerErstellt am: 2010-09-03 19:05   

Liebe Alwine,

sorry, wollte DIR gegenüber wirklich nicht
als eine verhaltene Person erscheinen,denn
ich hab ja keinen Grund dazu.

Ja, du hast recht, meine Begeisterung für
das Haiku ist grenzenlos. Es hat mich als
Lyrikgattung wie ein Blitz getroffen,so sehr
dass ich nur mehr Haiku dichten will. Warum?
Das Haiku ist Herausforderung zur Perfektion
wenngleich das selbst viele Lyriker und
Verleger nicht verstehen. In Gedichten kann
man mehr reinpacken,aber deshalb ist es noch
lange nicht besser,schöner,tiefgründiger von
vornherein. Die Haikudichtung ist eine hohe
Kunst und nicht eine Sache für Dilettanten.

Und was mich betrifft?Ich finde im Haiku die
ideale Form das Leben aufzuzeigen. Ich lebe
sehr intensiv mit Natur und Jahreszeiten und
versuche auch tagtäglich dem Augenblick den
Vorrang zu geben,auch wenn's oft sehr, sehr
schwer ist wenn man anderweitig berufstätig
ist. Lebe den Augenblick ist schon irgendwie
mein Motto und deshalb lasse ich ihn auch zu
In meinem Haikuband,der hoffentlich im Herbst
erscheint habe ich einen Satz geschrieben,der
über meine Einstellung zum Haiku alles sagt.
Ich will ihn nicht verraten,es ist auch wenn die Aussage am Anfang steht, eine Zugabe.

Außerdem bin ich auf der Suche nach einer
überreligiösen,einheitlichen Spiritualität.
Leben mit Natur und Jahreszeiten,was gibt es
da besseres.Aber wenn ich ehrlich bin,stehe
ich trotzdem dem Zen-Buddhismus schon doch ein bisschen nahe. Das wirkt sich dann auch
öfters in meinen Haiku aus.

Und schließlich, ich glaube genauso wie du,
bin ich ein Dichter aus Leidenschaft. Es ist
drin in mir und seit ich Haiku kenne,glaube
ich wirklich,dass es für mich keine idealere
Lyrikgattung gibt und mein Herz, mein Geist
und meine Seele bestätigen es mir Tag für
Tag.

Ach komm,guck, so viel Geschwätz über mich.
Kommen wir doch lieber zu deinem Haiku:

Feldstein am Wegrand
zigtausend Jahre schon da
momentlang erblickt

Der Ansatz ist sehr gut, mir fehlt aber der
Jahreszeitenbezug. Du wirst sagen, aber der
ist ja gar nicht sooooooo wichtig. Aber ich
antworte dann: Ein Baumeister wird niemals
seinen Beruf erlernen, wenn er sich weigert
sich auch ums Dach zu kümmern.
Mir gefällt dein Haiku sehr, weil es doch
sehr den Geist des Haiku in sich hat.Aber...

Und zweitens: Versuche die Wörter die du
auswählst gut zu überdenken. Zigtausend und
momentlang erscheinen mir persönlich nicht
besonders für dieses Haiku angebracht,auch
wenn du hervorragend die Gegenüberstellung
damit erwirkst. Bravo !

Wahrscheinlich sollen zigtausend und moment-
lang auch die Zäsur darstellen. Ist halt ein
bisschen schwach, nur so. Also die 2 Phasen
könnten besser getrennt sein. Ok,ich geb zu,
ich mach auch mal Haiku,wo keine eindeutige
Zäsur ist. Aber bitte, achte du wenigstens
mehr darauf.

So, hoffentlich kannst du auch mit meiner
Litanei was anfangen. Bis dann

Liebe Grüße
gontran





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AlwineErstellt am: 2010-09-03 22:44   
Lieber Gontran,

ich bin berührt, von dem, was Du über Dein Leben schreibst und Deine Beziehung zu Deinem Leben, Deine Suche nach Erfüllung, die ich sehr teile. Dieses Bild von dem Stein, es waren Bruchteile einer Sekunde, während ich mit dem Rad vorbeifuhr. Dass der Gedanke des Haikus in mir war und wahrscheinlich nur der, ließ mich dieses Bild festhalten und machte, dass ich mir Zeit nahm in der Abendsonne - nichts anderes zu tun, als mich abzumühen, und es kostete Mühe, es in Haikuworte zu formen. Es war eine gute Zeit, weil sie stillzustehn schien, beim Moment verblieb, der eigentlich vergangen war.
Ich bin Dir sehr dankbar für Deine Hinweise und werde versuchen, eine neue Version zu finden. Der Tag hat all meine Energie verbraucht, so dass ich jetzt Zeit brauche, die, wollte ich sie anhalten, nichts als Schlaf bedeuteten

liebe Grüße

Alwine


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gontran peerErstellt am: 2010-09-04 12:31   
Ja gut, das ist ein sehr weiser Entschluss,
lass los, las mal dieses Haiku ruhen und
fang ganz einfach mit einem anderen an.

Wünsche dir viel Gegenwart in deinem Leben
und viel Glück in deiner Gegenwart

l.g.
gontran


<font size=-1>[ Diese Nachricht wurde geändert von: gontran peer am 2010-09-04 13:51 ]</font>

[ Diese Nachricht wurde geändert von: gontran peer am 2010-09-04 14:45 ]


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AlwineErstellt am: 2010-09-05 22:41   
Lieber Gontran, ein Versuch zu später Stunde

Feldstein am Herbstweg
lang schon versunken hier liegt
gerade erblickt

Der Jahreszeitenbezug, ich merke, dass er auf diese Weise etwas Merkwürdiges mit sich bringt.
Es scheint ein Feldstein zu sein, der mit einem Herbstweg verbandelt ist, so, als ob es ihn im Frühling nie gäbe oder im Winter. Einerseits stimmt es ja, denn ich habe ihn im Herbst erblickt und vorher gab es ihn zwar, aber er war noch nicht erblickt von mir
- das hat also einen sehr subjektiven Bezug.
Ich werd etwas neues versuchen...

Gruß Alwine



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gontran peerErstellt am: 2010-09-05 23:31   

Liebe Alwine,
hier ebenfalls ein Versuch zu später Stunde:

Ein Herbsttag. Während
meiner Fahrt diesen Feldstein
nunmehr zu sehen...

Grüße
gontran







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SturmErstellt am: 2010-09-06 00:55   
Hallo Alwine, hallo Gontran,

noch ein Versuch zu später Stunde:

Mein Blick streift den Stein
am Feldrand im Nebeldunst,
lang schon unbewegt


Ich wollte mit meinem Versuch über die Gegenüberstellung des flüchtigen Blickes und des statischen Aspektes des Feldsteins, die oben diskutierten Überlegungen dichterisch gestalten. Was meint ihr dazu? Als Herbstbezug ist doch der Nebel passend, oder?

Liebe Grüße
Anja


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gontran peerErstellt am: 2010-09-06 17:30   

Hallo Anja,

schön dich wieder einmal zu lesen. Dein
Versuch ist beachtenswert. Was mir vorkommt
ist,dass er ein bisschen zu überladen ist,
meiner Meinung nach, kann Alwine aber auch
ganz anders sehen. Blick, Stein, Feldrand und
Nebeldunst sind immerhin schon vier Elemente.
So wie ich Alwine einschätze,möchte sie auch lieber Feldstein als Feldrand. Das alles ist
aber genauso nur eine Vermutung. Am besten ist ohnehin, wenn Alwine ihre eigene beste
Version alleine findet, wir können ja nur
suggerieren.

Was ist übrigens mit deiner vorgeschlagenen
Herbstkette? Möchtest du sie nicht anfangen?

liebe Grüße
gontran


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SturmErstellt am: 2010-09-06 17:58   
Hallo Alwine, hallo Gontran,

erst mal Dank für`s Feedback. Überladen? Ja mag, sein, hat aber trotzdem Spass gemacht an einem "fremden" Haiku zu puzzeln und was "Eigenes" draus zu machen.
Zur Herbstkette (für Alwine: auf ein Haiku mit der Struktur 5-7-5 folgt ein Zweizeiler 7-7,der ein Element, eine Assoziation etc. der vorherigen Strophe aufnimmt. Gerne mit jahreszeitlichem Bezug (wir waren in der Frühlingskette aber auch gelegentlich so frei, darauf zu verzichten - und es kam auch schon mal vor, dass 'ne Silbe fehlte, oder?) Insgesamt finde ich aber die Frühlingskette bei erneutem Lesen immer noch in sich recht stimmig und schön - und mir hat das gemeinsame Schreiben viel Freude gemacht, es war auch spannend, immer wieder zu schauen, wie es weiterging.

Ich werde mir also Gedanken für einen Beginn machen, wenn ihr schneller seid als ich.... dann fangt ihr doch gerne an.

Ganz herzliche Grüße

Anja





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gontran peerErstellt am: 2010-09-06 18:20   

Liebe Anja,

sorry, aber selbstverständlich kannst und
sollst du auch Spaß haben, an "fremden"
Haiku zu puzzeln um was "Eigenes" daraus zu
machen. Ich bin halt auch auf deine Version
eingegangen, nur so, ohne kritisieren zu
wollen sondern meines Eifers wegen, um zu
kommentieren. Wetten, dass...? Alwine deine
Version für ganz,ganz toll findet?

Regeln unserer Kette hervorragend erklärt,
es freut mich ganz besonders, dass sie dir
auch jetzt noch gefällt. Mir übrigens auch.
Wetten, dass...? Du Anja die schnellste von
uns allen bist?

l.g.
gontran


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AlwineErstellt am: 2010-09-06 22:41   
Lieber Gontran, liebe Anja,

Ich habe mich gefreut über Eure Vorschläge und Veränderungen. Mein Stein, und er wird langsam zu meinem, liegt immer noch dort, wo ich ihn gesehen hatte. Die Beziehung ist inniger geworden, ja, überhaupt erst entstanden durch die Schreiberei. Dein Haiku, Anja finde ich schön in seiner Stimmung, ich habe eine Vorstellung, wo er jetzt liegen könnte und hat mit meinen Empfindungen nicht mehr zu tun. Aber andere Empfindungen löst es aus und der Herbst ist schon fortgeschrittener. "Mein Blick streift den Stein" ist toll - eine sehr zarte Berührung."Lang schon unbewegt" hat wieder diesen Kontrast wirkt fast störend vom Klang her und hat dadurch eine mächtige Betonung und enthält auch sehr viel.
Gontrans Zeilen treffen meine Empfindung. Das "Nunmehr" ist der Hammer. Wie kommt man bei seinen Überlegungen nur auf so ein Wort?
Oh, ich bin eine Anfängerin. Stark, Gontran,
Es war so vieles Andere, das mir durch den Kopf ging, die Adern die ich im Stein erblickte und dieses Versunkensein, einfach dadurch, dass er schon so lange an einer Stelle lag. Der Zeitaspekt, das Alter des Steins und der Moment des Erblickens, der das Begreifen unmöglich macht. Aber alles kann man nicht verfassen.
ich werd mir Euer beider Version notieren, Deine, Anja, werd ich erblicken, wenn sie mir begegnet,weil ich sie jetzt im Kopf habe, und Deine Gontran als Endversion meiner Tüftelei.
Bin gespannt auf die Herbstkette.

herzlich Alwine


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gontran peerErstellt am: 2010-09-07 17:40   

Liebe Alwine,

natürlich freut es mich, wenn du mit meinem
Vorschlag ein bisschen was anfangen kannst,
aber vielleicht, willst du es noch mehr auf
dich abstimmen? Oder du feilst noch daran?

Wie auch immer, jeden Tag, den ein Mensch
beginnt, beginnt er als Anfänger, wenn er
in der Gegenwart lebt.

Was hingegen das Haikudichten betrifft, so
sind wir alle Lehrlinge, ein Leben lang.

Liebe Grüße
gontran


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NeumondErstellt am: 2010-09-08 22:00   
Hallo Alwine!

Ich bin zwar nicht besonders vielwissend, was die Haikutheorie angeht ... aber möchte Dir dennoch hier sagen: mir gefällt Dein Haiku genau so, wie Du es hinein gestellt hast! Gegensätze sind enthalten ... das Geheimnisvolle daran gefällt mir gerade - wer ist SIE? Der Leser macht sich Gedanken dazu ... und den Titel finde ich ebenfalls sehr geistreich! Genau das ist, finde ich gelungen: einen erlebten Moment in diesen 3 Zeilen zusammen zu fassen. Sehr inspirierend!

Liebe Grüße, NM


  Beitrag ändern/löschen   Antwort mit Zitat
NeumondErstellt am: 2010-09-08 22:01   
Hallo Alwine!

Ich bin zwar nicht besonders vielwissend, was die Haikutheorie angeht ... aber möchte Dir dennoch hier sagen: mir gefällt Dein Haiku genau so, wie Du es hinein gestellt hast! Gegensätze sind enthalten ... das Geheimnisvolle daran gefällt mir gerade - wer ist SIE? Der Leser macht sich Gedanken dazu ... und den Titel finde ich ebenfalls sehr geistreich! Genau das ist, finde ich gelungen: einen erlebten Moment in diesen 3 Zeilen zusammen zu fassen. Sehr inspirierend!

Liebe Grüße, NM


  Beitrag ändern/löschen   Antwort mit Zitat
AlwineErstellt am: 2010-09-08 23:16   
Hallo Neumond,

vielen Dank. Es ist schön, zu hören, dass Dich meine ursprüngliche Fassung auch angesprochen hat. Mir war wichtig, diesen Moment festzuhalten, weil ich schon im Moment das Ungeheure erahnte, auch dass er sich dehnen würde über eine lange Zeit.
Aber daneben steht meine Suche nach einer Haltung oder Beziehung zu den Momenten, die sich ergeben.

herzlich Alwine


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SturmErstellt am: 2010-10-22 23:03   
Hallo Alwine, hallo Gontran,

na ihr beiden, ihr seid in der Herbstkette ja
nunmehr im Winter angekommen. Ich noch nicht
so wirklich, hatte jetzt aber auch noch mal zwei Wochen oberitalienischen Sonnenschein. Deshalb noch mal eine Variation zu deinem Stein-Motiv, liebe Alwine. Ich hätte es sonst in die Herbstkette gestellt, jetzt paßt es aber nicht mehr. Liebe Grüße an euch beide prima Praktiker und tolle Theoretiker (lese eure Dialoge mit Vergnügen und Interesse)
Liebe Grüße
Anja


Wandern im Herbstwald -
Wie lange schon unbewegt
der Stein am Wegrand?


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AlwineErstellt am: 2010-10-23 08:04   
Liebe Anja,

Danke für Deinen Versuch am Stein. Er hat mir ihn zurückgeholt. Seitdem ist so viel geschehen und ich hatte ihn fast vergessen. Aber er hat sich, dank Deiner, erinnert an mich. Schön, dass Du Oberitalien voll Sonne hattest. Hier wirds trübe. Und es gibt mir ziemlich viel Schweigen im Forum - zu denken, aber wohin, weiß ich immer nicht.
Schön, dass jemand Anteil nimmt an unserem Palavere.
Liebe Grüße

Alwine


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SturmErstellt am: 2010-10-23 09:56   
Liebe Alwine,
für ein Forum gibt es hier tatsächlich relativ wenig Leute, die sich aktiv am Gespräch beteiligen - warum auch immer - es ist eben wie es ist.
Das ist im Laufe der Jahre aber immer wieder sehr unterschiedlich gewesen und ich finde es auch immer wieder spannend die alten und "uralten" Haiku, Kommentare etc. zu lesen.
Dir, liebe Alwine, wollte ich noch sagen, dass ich finde, daß Du einen sehr eigenen, eigenwilligen Ansatz hast, Deine Gedichte zu schreiben und mir gefällt vieles, auch wenn es nicht immer "regelkonform" ist. Am besten hat mir z.B die Herbstsonne, die durch den roten Ahorn auf's Huhn tropft
in unserer Herbstkette gefallen, obwohl ein Haiku ja eben konkret und nicht metaphorisch sein sollte. Aber ich finde die Formulierung so originell und den Gedanken für einen Dreizeiler auch so schön verschachtelt, daß mir dann die Regeln auch wieder egal sind...(Augenzwinkern an Gontran)

Herzlicher Gruß
von Anja


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gontran peerErstellt am: 2010-10-23 10:44   

Liebe Anja,

wenn man vom Prinzip ausgeht, wenn mir der
Text gefällt, dann pfeife ich auf die Haiku-
Grundregeln, dann frag ich mich wirklich,ja
warum bietet man es den Lesern als Haiku an,
wenn es kein Haiku sein will?

Also,ihr könnt schreiben was ihr wollt,aber
dann bietet es bitte den Lesern nicht als
Haiku an. Wenn ihr zu einem Konzert geht,
dann wollt ihr ja auch die Musik anhören,die
auf dem Programm steht und nicht ganz was
anderes, oder?

Mit einem Augenzwinkern

gontran


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