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Haiku Forum > Haibun > Meister und Schüler

Meister und Schüler
von Sebastian Schmidt

Vor kurzem lauschte ich einem Gespräch - ich lausche sehr oft Gesprächen, falls denn überhaupt welche stattfinden...
Vielleicht habe ich ja auch schon bei dir gelauscht...
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Der Meister zu seinem Schüler am Abend bei untergehender Sonne: „Warum schaust du so betrübt über die Tollkirschsträucher der Sonne entgegen, vorbei an den stämmigen Ästen der Eiche?“

Es sind die Lüfte,
Bäume und Bäche der Erd’.
Nie träumt’ ich süßer,
Nie träumt’ ich mehr in Ängsten!
Ich falle sanft zu Boden.
Und der Fall ist das Ende

„Sage mir, kann denn dein Fallen schon den Tod bedeuten? Ist es nicht der ungebremste Aufschlag, der deinen letzten Hauch zum Himmel hebt?“

Im Sommer hinab
Fällt ein Blatt lebenden Stamms
Tot auf die Erde

Und er, der Meister, schwieg sehr lange, als er des Schülers Antwort hörte, er schwieg Tage und Jahre. Viele Monde und viele Minuten vergingen, bis er wieder zum Sprechen ansetzte, leicht wehmütig und denkend: „Deine Antwort, mein Freund, versetzt mich in tiefe Sehnsucht nach dem Glanze der Reinheit früherer Zeiten, sie hält mir vor Augen, wie weit der Sand gefallen. Nicht länger möchte ich verweilen an dem Orte der Lüge, an dem Orte der Wahrheit; der Wahrheit, die sich als Lüge nun zeigt. Hinaus. Nur hinaus möcht’ ich gehen und noch genießen die Zeit der letzten Stunde.“

Auf morschen Stämmen
Fauligem Rand, da sitzen
Die neuen Pflanzen



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